Business Continuity Management (BCM):

Geschäftsprozesse auch im Ernstfall aufrechterhalten

BCM einfach erklärt: Kernidee in einem Satz

Business Continuity Management stellt sicher, dass ein Unternehmen seine wichtigsten Prozesse auch während einer Störung fortführen kann. Die Kernidee: Nicht jede Störung lässt sich verhindern, aber ihre Auswirkung lässt sich begrenzen. BCM plant deshalb vorab, welche Prozesse überlebenswichtig sind und wie sie im Ernstfall funktionieren. Diese Planung unterscheidet BCM von reiner IT-Sicherheit, die primär Angriffe verhindern will.

Was ist ein BCMS? Vom Konzept zum Managementsystem

Ein BCMS (Business Continuity Management System) ist die organisatorische Umsetzung von BCM als dauerhaftes, wiederkehrendes Managementsystem. Während BCM das methodische Konzept beschreibt, ist das BCMS die gelebte Praxis im Unternehmen: mit Rollen, Prozessen, Dokumenten und regelmäßigen Überprüfungen. Ein BCMS wird nicht einmalig aufgebaut, sondern kontinuierlich gepflegt und verbessert. 

Ein BCMS umfasst typischerweise: 

  • Notfallpläne für kritische Geschäftsprozesse
  • Business-Impact-Analysen (BIA), die Ausfallfolgen bewerten
  • Rollen und Verantwortlichkeiten für den Ernstfall
  • Testroutinen, die Pläne regelmäßig überprüfen
  • Dokumentation, die gegenüber Prüfenden und Behörden Nachweise liefert ISO 22301 ist die international anerkannte Norm für ein solches BCMS. Sie liefert den strukturellen Rahmen, den viele Unternehmen als Zielbild für ihr eigenes BCM nutzen. 
Sprechen Sie mit unserem BCM-Team über Ihren aktuellen Stand und lassen Sie sich zum passenden Vorgehen beraten.

BCM vs. BCP, BIA, ITSCM und Krisenmanagement: Die wichtigsten Begriffe im Überblick

Business Continuity Management ist der übergeordnete Rahmen. BCP, BIA, ITSCM und Krisenmanagement sind Bausteine oder Nachbardisziplinen mit jeweils eigenem Fokus. Wer die Begriffe klar trennt, vermeidet Missverständnisse bei der Umsetzung und im Austausch mit Prüfenden. 

Business Continuity Management vs. IT-Disaster-Recovery 

Business Continuity Management sichert den gesamten Geschäftsbetrieb, IT-Disaster-Recovery sichert die technische Infrastruktur. Disaster Recovery beantwortet die Frage: Wie stellen wir Server, Daten und Systeme nach einem Ausfall wieder her? BCM geht weiter und fragt: Wie halten wir kritische Geschäftsprozesse aufrecht, auch wenn Gebäude, Personal oder Lieferanten betroffen sind? 

Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied. Fällt das Rechenzentrum aus, sorgt Disaster Recovery für die Wiederherstellung von Servern und Datenbanken. BCM stellt zusätzlich sicher, dass Kundenservice, Produktion und Zahlungsverkehr weiterlaufen, etwa über Ausweichstandorte oder manuelle Notfallprozesse. IT-Disaster-Recovery ist damit ein wichtiger Teilbereich des ITSCM, nicht des gesamten BCM. 

Wie hängen BCM, BIA, BCP und ITSCM zusammen? 

Jeder Begriff deckt einen eigenen Ausschnitt der Notfallvorsorge ab. Die folgende Tabelle ordnet die zentralen Konzepte nach Fokus und typischer Fragestellung ein.

BegriffFokusBeispiel-Frage
BCM (Business Continuity Management)Gesamtstrategie zur Aufrechterhaltung des GeschäftsbetriebsWie stellen wir sicher, dass unsere kritischen Prozesse jede Störung überstehen?
BCMS (Business Continuity Management System)Managementsystem mit Richtlinien, Rollen und Prozessen zur Umsetzung von BCMWie steuern und dokumentieren wir BCM dauerhaft im Unternehmen?
BCP (Business Continuity Plan)Konkreter Notfallplan für einzelne Prozesse oder BereicheWas tun die Mitarbeitenden im Vertrieb, wenn das CRM-System ausfällt?
BIA (Business Impact Analyse)Bewertung, welche Prozesse geschäftskritisch sind und welche Ausfallzeiten tolerierbar sindWelcher Umsatzverlust entsteht, wenn die Produktion 24 Stunden stillsteht?
ITSCM (IT Service Continuity Management)Wiederherstellung IT-gestützter Services im NotfallWie schnell ist unser ERP-System nach einem Ausfall wieder verfügbar?
KrisenmanagementSteuerung akuter Ausnahmesituationen, oft mit Kommunikation und Entscheidungsfindung im FokusWer entscheidet in den ersten Stunden einer Krise und wie informieren wir Kundschaft und Öffentlichkeit?
IT-Disaster-RecoveryTechnische Wiederherstellung von Systemen, Daten und InfrastrukturWie stellen wir unsere Datenbank nach einem Serverausfall wieder her?

BIA und BCP sind feste Bestandteile eines funktionierenden BCM. ITSCM liefert die technische Grundlage für digitale Geschäftsprozesse. Krisenmanagement greift, sobald ein Ereignis eskaliert und schnelle Entscheidungen nötig werden, oft parallel zu den im BCP festgelegten Maßnahmen.

Handlungsdruck & Risiko

Warum Business Continuity Management für Unternehmen heute unverzichtbar ist

Business Continuity Management sichert den Betrieb, wenn Cyberangriffe, Naturereignisse oder technische Ausfälle Prozesse unterbrechen. Zwei Kräfte treiben den Aufbau eines BCM heute voran: neue gesetzliche Pflichten und die realen wirtschaftlichen Folgen von Ausfällen. Beide Faktoren zusammen machen BCM vom optionalen Vorsorgeprojekt zur unternehmerischen Notwendigkeit.

Regulatorischer Druck: NIS2, DORA und KRITIS-Dachgesetz

Drei Regelwerke rücken belastbare Kontinuitätsmaßnahmen für Unternehmen in Deutschland und der EU zunehmend in den Fokus: die NIS2-Richtlinie, die Verordnung DORA (Digital Operational Resilience Act) und das deutsche KRITIS-Dachgesetz. Alle drei zielen in dieselbe Richtung: Organisationen sollen nicht nur Angriffe abwehren, sondern auch im Ernstfall handlungsfähig bleiben. Die genaue Betroffenheit, die Fristen und die konkreten Nachweispflichten hängen von Sektor, Unternehmensgröße und dem nationalen Umsetzungsstand ab und sollten unternehmensspezifisch geprüft werden.

NIS2

DORA

KRITIS

Für Unternehmen bedeutet das:

Ein dokumentiertes BCM-System kann als Nachweisinstrument gegenüber Aufsichtsbehörden dienen. Wer regulatorische Anforderungen zuverlässig erfüllen will, sollte strukturierte Kontinuitätsplanung frühzeitig einplanen. Eine rechtliche Einordnung der konkreten Betroffenheit ersetzt dieser Abschnitt nicht.

Wirtschaftliche Folgen von Betriebsunterbrechungen

Betriebsunterbrechungen zählten laut dem Allianz Risk Barometer 2023 zum zweitgrößten Geschäftsrisiko weltweit. Diese Einschätzung stammt von Risikomanagerinnen und Risikomanagern aus über 100 Ländern und spiegelt die tatsächliche Bedrohungswahrnehmung in Unternehmen wider. 

Die finanziellen Folgen einzelner Vorfälle sind erheblich. Laut dem Cost of a Data Breach Report 2023 von IBM Security lagen die durchschnittlichen Kosten einer Datenschutzverletzung weltweit bei 4,45 Millionen US-Dollar. Der Report weist diese Summe als Durchschnittswert über Aufklärung, Systemwiederherstellung und entgangene Geschäfte während der Ausfallzeit aus; Bußgelder sind darin nicht pauschal für jeden Fall enthalten, sondern branchen- und fallabhängig zu betrachten. 

Trotz dieser Risiken bestehen in vielen Unternehmen Lücken. Laut dem Kiteworks Privacy and Compliance Report 2023 sind 51 Prozent der Unternehmen unzureichend gegen Sicherheits- und Compliance-Risiken geschützt. Mehr als die Hälfte der befragten Organisationen ist demnach im Ernstfall nicht ausreichend vorbereitet.

Hohes Risiko, teure Schadensfälle, lückenhafte Vorbereitung: Diese Kombination macht Business Continuity Management zur unternehmerischen Aufgabe, nicht zur Kür. Ein funktionierendes BCM schließt genau diese Lücke, indem es Ausfallszenarien vorab durchdenkt und Reaktionswege festlegt.

In 5 Schritten zum BCMS

Business Continuity Management aufbauen: Der Weg zum wirksamen BCMS

Ein wirksames Business Continuity Management System (BCMS) entsteht in fünf aufeinander aufbauenden Schritten. Diese folgen dem PDCA-Zyklus: Plan, Do, Check, Act. Der Zyklus stammt aus dem Qualitätsmanagement und sorgt dafür, dass ein BCMS nicht einmalig aufgebaut, sondern fortlaufend verbessert wird.

Schritt 1-5 im Überblick: Von Scope & Business Impact Analyse bis zu Notfallplänen und Nachweisen

Scope festlegen (Plan)

Sie definieren, welche Standorte, Prozesse und Systeme das BCMS abdeckt. Ohne klaren Anwendungsbereich fehlt die Grundlage für alle weiteren Schritte.

Business-Impact-Analyse durchführen (Plan)

Sie identifizieren kritische Geschäftsprozesse und bewerten die Folgen eines Ausfalls. Daraus ergeben sich Wiederanlaufzeit (Recovery Time Objective, RTO) und maximal tolerierbarer Datenverlust (Recovery Point Objective, RPO) je Prozess.

Strategien und Notfallpläne entwickeln (Plan)

Sie legen fest, wie kritische Prozesse im Ernstfall aufrechterhalten oder wiederhergestellt werden. Daraus entstehen konkrete Notfall- und Wiederanlaufpläne mit klaren Rollen und Abläufen.

Pläne umsetzen und trainieren (Do)

Sie schulen Mitarbeitende und etablieren die Pläne im Arbeitsalltag. Nur trainierte Teams können im Ernstfall zügig und richtig reagieren.

Testen, prüfen und nachbessern (Check, Act)

Sie überprüfen die Pläne durch Übungen und reale Tests. Erkannte Schwachstellen fließen zurück in Schritt eins bis vier und schließen den Zyklus.

Was Sie am Ende in der Hand haben: Konkrete Ergebnisse (Artefakte)

Ein BCMS-Aufbau liefert prüfbare Dokumente, keine bloßen Absichtserklärungen. Diese Artefakte dienen intern als Handlungsgrundlage und extern als Nachweis gegenüber Aufsichtsbehörden und Kundschaft.

  • Scope-Statement: Dokumentierter Anwendungsbereich des BCMS
  • BIA-Ergebnis mit RTO- und RPO-Werten: Priorisierte Liste kritischer Prozesse mit Zielwerten
  • Notfall- und Wiederanlaufpläne: Konkrete Handlungsanweisungen für den Ernstfall
  • Testprotokolle: Dokumentierte Ergebnisse aus Übungen und Tests
  • Managementbewertung: Regelmäßige Bewertung der Wirksamkeit durch die Geschäftsleitung
Schlank oder auditfähig?

Passender BCM-Umfang für Ihr Unternehmen: KMU-pragmatisch oder auditorientiert

Der richtige BCM-Umfang hängt von Ihrer Risikoexposition, Ihrer Unternehmensgröße und den Anforderungen Ihrer Stakeholder ab. Nicht jedes Unternehmen benötigt ein vollständig zertifizierbares Managementsystem nach ISO 22301. Viele mittelständische Betriebe kommen mit einem schlanken, pragmatischen Ansatz weiter, solange dieser konsequent umgesetzt wird. 

Entscheidend ist die Frage, wer Nachweise von Ihnen verlangt:
Kundschaft, Aufsichtsbehörden, Versicherer oder der eigene Vorstand stellen unterschiedliche Anforderungen an Tiefe und Dokumentation.

Wann reicht ein schlanker BCM-Ansatz aus?

Ein schlanker BCM-Ansatz eignet sich für Unternehmen ohne regulatorischen Zertifizierungsdruck und mit überschaubarer Prozesslandschaft. Der Fokus liegt auf den wichtigsten Geschäftsprozessen, nicht auf vollständiger Dokumentationstiefe. 

Typische Merkmale eines pragmatischen BCM:

  • Reduzierter Geltungsbereich: Nur die kritischsten Geschäftsprozesse werden analysiert, nicht die gesamte Organisation.
  • Vereinfachte Business-Impact-Analyse: Grobe Einschätzung von Ausfallfolgen statt detaillierter quantitativer Bewertung.
  • Wenige, klar zugewiesene Rollen: Oft übernimmt eine Person mehrere BCM-Funktionen parallel.
  • Fokus auf Notfallpläne statt Managementsystem: Konkrete Handlungsanweisungen für die wahrscheinlichsten Störfälle, ohne vollständigen PDCA-Zyklus. 

Dieser Ansatz passt zu kleinen und mittleren Unternehmen ohne Kundschaft aus regulierten Branchen. Er lässt sich mit begrenztem Personalaufwand innerhalb weniger Monate aufbauen. Die Grenze liegt dort, wo Kundschaft, Behörden oder Versicherer einen Nachweis in Form eines Zertifikats fordern.

Wann ist ein vollständig auditfähiges BCMS nach ISO 22301 nötig?

Ein auditfähiges BCMS wird notwendig, sobald Dritte einen formalen Nachweis verlangen. Das betrifft vor allem Unternehmen mit vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Großkunden oder gesetzlichen Vorgaben.

Typische Auslöser für ein zertifizierbares BCMS:

  • Regulatorische Relevanz: Für Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS) und Unternehmen im Geltungsbereich der NIS2-Richtlinie ist Business Continuity Management Teil der geforderten Risikomanagementmaßnahmen; die konkrete Nachweispflicht sollte im Einzelfall geprüft werden.
  • Vertragliche Anforderungen: Große Auftraggeber, insbesondere aus Finanzwesen und Industrie, fordern zunehmend ein zertifiziertes BCMS von ihren Lieferanten.
  • Lieferkettenabsicherung: Ein Zertifikat schafft Vertrauen gegenüber Geschäftspartnern und reduziert Prüfaufwand in Ausschreibungen.
  • Versicherungsanforderungen: Manche Cyber- und Betriebsunterbrechungsversicherer verlangen dokumentierte Kontinuitätsprozesse als Voraussetzung für Deckung oder günstigere Konditionen. 

Ein vollständiges BCMS nach ISO 22301 umfasst den gesamten PDCA-Zyklus: Planung, Umsetzung, Überprüfung und Verbesserung. Es erfordert eine dokumentierte Risikobewertung, regelmäßige Übungen und interne Audits. Der Aufbau dauert je nach Unternehmensgröße sechs bis 18 Monate.

ISO 22301 & BSI 200-4

BCM-Standards im Überblick: ISO 22301, BSI-Standard 200-4 und NIS2

Drei Regelwerke prägen die BCM-Praxis in Deutschland: die internationale Norm ISO 22301, der deutsche BSI-Standard 200-4 und die europäische NIS2-Richtlinie. Alle drei verfolgen dasselbe Ziel, Geschäftsprozesse auch bei Störungen aufrechtzuerhalten, unterscheiden sich aber in Verbindlichkeit und methodischem Aufbau. 

ISO 22301 ist eine internationale Norm, die weltweit zertifiziert werden kann. Der BSI-Standard 200-4 ist eine deutsche Methodik des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die eng mit dem IT-Grundschutz verzahnt ist. NIS2 ist keine Methodik, sondern eine EU-Richtlinie, die Mindestanforderungen an Risikomanagement und Kontinuität für bestimmte Sektoren vorschreibt. 

Für betroffene Unternehmen bedeutet NIS2 konkret: Sie müssen Business Continuity Management als Bestandteil ihres Risikomanagements berücksichtigen, unabhängig davon, welcher Methodik sie folgen. Die genaue Betroffenheit und die daraus resultierenden Nachweispflichten sollten anhand der aktuellen gesetzlichen Umsetzung und im Einzelfall geprüft werden.

ISO 22301 vs. BSI-Standard 200-4: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Beide Standards folgen dem PDCA-Zyklus und verlangen eine Business-Impact-Analyse als Grundlage. Der Hauptunterschied liegt in der Herkunft und im Zertifizierungsweg.

KriteriumISO 22301BSI-Standard 200-4
HerausgeberInternational Organization for Standardization (ISO)Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
GeltungsbereichInternational anerkanntPrimär Deutschland, häufig im öffentlichen Sektor
ZertifizierbarkeitEigenständige Zertifizierung nach ISO 22301 durch akkreditierte ZertifizierungsstellenMethodische Grundlage mit Mapping auf ISO 22301; eigenständiger Zertifizierungsweg ist mit der Fachabteilung zu klären
VerzahnungEigenständige ManagementsystemnormEng verzahnt mit IT-Grundschutz und BSI-Standard 200-1/200-2
MethodikProzessorientiert, technologieneutralDreistufiges Vorgehensmodell mit konkreten Bausteinen und Hilfsmitteln
Typische AnwenderInternational tätige Unternehmen, Lieferketten mit globalen KundenBehörden, öffentliche Einrichtungen, KRITIS-Betreiber in Deutschland

Beide Standards lassen sich kombinieren: Viele Unternehmen bauen ihr BCMS nach BSI-Methodik auf und lassen es zusätzlich nach ISO 22301 zertifizieren, um auch international Nachweise erbringen zu können.

Die drei Stufen des BSI-Standards 200-4: Vom reaktiven zum standardisierten BCM

Der BSI-Standard 200-4 sieht ein dreistufiges Vorgehensmodell vor. Unternehmen wählen die Einstiegsstufe entsprechend ihrem aktuellen Reifegrad und bauen das BCM darauf schrittweise aus. 

Der gestufte Aufbau erlaubt es, mit begrenztem Aufwand zu starten und die Tiefe des BCMS an wachsende Anforderungen anzupassen, etwa wenn Kundschaft, Aufsichtsbehörden oder Versicherer zunehmend belastbare Nachweise verlangen.

  • Reaktives BCM: Deckt die wichtigsten Sofortmaßnahmen für die wahrscheinlichsten Störfälle ab. Diese Stufe lässt sich innerhalb weniger Wochen umsetzen und eignet sich als Einstieg für Unternehmen ohne bestehendes BCM.
  • Aufbau-BCM: Ergänzt eine strukturierte Business-Impact-Analyse und dokumentierte Notfallpläne für die wichtigsten Geschäftsprozesse.
  • Standard-BCM: Entspricht einem vollständigen BCMS mit Übungsprogramm, regelmäßigen Reviews und kontinuierlicher Verbesserung nach dem PDCA-Zyklus. Diese Stufe ist mit ISO 22301 kompatibel.

Was prüft ein Audit konkret?

Ein Audit prüft, ob das BCMS dokumentiert, gelebt und wirksam ist. Eine reine Dokumentensammlung ohne praktische Umsetzung besteht ein Audit nicht. Ein Audit bewertet also nicht nur Dokumente, sondern deren Aktualität und die tatsächliche Handlungsfähigkeit im Ernstfall. 

Konkret verlangen Prüfende typischerweise:

  • Dokumentierte Business-Impact-Analyse mit RTO- und RPO-Werten für kritische Prozesse.
  • Nachweis durchgeführter Übungen, inklusive Protokollen und abgeleiteten Verbesserungsmaßnahmen.
  • Aktuelle Notfallpläne, die regelmäßig überprüft und bei Organisationsänderungen angepasst wurden.
  • Nachweis der Managementbewertung, aus der hervorgeht, dass die Geschäftsleitung das BCMS aktiv steuert.
  • Schulungsnachweise für die im BCMS benannten Rollen.

Rollen und Verantwortlichkeiten im BCMS: Wer macht was?

Ein BCMS funktioniert nur mit klar zugewiesenen Rollen. Fehlt eine eindeutige Verantwortungsstruktur, bleiben Notfallpläne im Ernstfall häufig ungenutzt, weil niemand die Entscheidungsbefugnis hat. Die wichtigsten Rollen in einem BCMS:

RolleKernaufgabe
BCM-Verantwortliche:rSteuert den Aufbau und die Pflege des gesamten BCMS, berichtet an die Geschäftsleitung
ProzessverantwortlicheKennt den jeweiligen Geschäftsprozess im Detail und liefert Input für die Business-Impact-Analyse
KrisenstabTrifft operative Entscheidungen während eines akuten Notfalls
IT-VerantwortlicheStellen die technische Wiederherstellung sicher, etwa über Disaster-Recovery-Pläne
GeschäftsleitungTrägt die Gesamtverantwortung, priorisiert Ressourcen und genehmigt das BCMS

BCM-Verantwortliche, Prozessverantwortliche und die Schnittstelle zur IT

BCM-Verantwortliche koordinieren das Managementsystem, sie ersetzen aber nicht das Fachwissen der Prozessverantwortlichen. Prozessverantwortliche kennen die Details ihres Bereichs am besten und schätzen realistisch ein, wie lange ein Prozessausfall toleriert werden kann.

Die Schnittstelle zur IT ist besonders kritisch, weil viele Geschäftsprozesse heute vollständig von IT-Systemen abhängen. ITSCM übersetzt die im BCM festgelegten Wiederanlaufzeiten in konkrete technische Maßnahmen. Ohne diese Abstimmung entstehen Lücken: Das BCM definiert etwa eine Wiederanlaufzeit von vier Stunden, während die IT-Infrastruktur tatsächlich zwei Tage für die Wiederherstellung benötigt.

In der Praxis zeigt sich, dass BCM-Verantwortliche regelmäßig mit IT-Leitung und Prozessverantwortlichen in gemeinsamen Workshops die Anforderungen abgleichen. Nur so bleiben die im BCMS dokumentierten Zeitvorgaben realistisch und umsetzbar.

BCM-Beratung

Business Continuity Management mit Axians: Unsere Leistungen im Überblick

Axians unterstützt Sie beim Aufbau, der Umsetzung und dem Betrieb Ihres Business Continuity Managements. Unser Leistungsspektrum deckt die Beratung, die technische Umsetzung und die Befähigung Ihrer Mitarbeitenden ab.

Zu unseren Leistungen zählen:

BCM-Beratung und BCM-Manager:in als Dienstleistung

ITSCM

Krankenhausalarm- und Einsatzplanung (KAEP)

Schulungen, Coachings und Training on the Job

Backup, Wiederherstellung und Disaster-Recovery-Planung

Risikoanalysen und Business-Impact-Analysen

BCM-Beratung und BCMS-Aufbau

Unsere BCM-Beratung begleitet Sie durch alle Phasen: von der ersten Risikoeinschätzung bis zur Zertifizierungsreife nach ISO 22301 oder BSI-Standard 200-4. Wir passen die Beratungstiefe an den von Ihnen benötigten Umfang an, ob schlank oder auditfähig. 

Auf Wunsch übernehmen wir die Rolle der BCM-Manager:in als externe Dienstleistung. Das entlastet Ihre internen Ressourcen, insbesondere wenn keine eigene Fachperson mit BCM-Expertise verfügbar ist.

Business Impact Analyse (BIA) als Ausgangspunkt

Die Business-Impact-Analyse bildet die fachliche Grundlage jedes BCM-Projekts. Sie identifiziert, welche Prozesse für Ihr Unternehmen kritisch sind und wie lange ein Ausfall toleriert werden kann. 

Axians führt die Business-Impact-Analyse gemeinsam mit Ihren Prozessverantwortlichen durch. Das Ergebnis sind konkrete Wiederanlaufzeiten und Datenverlustgrenzen, die anschließend in Notfallpläne und technische Maßnahmen übersetzt werden. Diese Analyse ist auch die Grundlage für unsere Risikoanalysen, die mögliche Bedrohungsszenarien systematisch bewerten.

Häufige Fragen zu Business Continuity Management (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen BCM und BCMS?

Business Continuity Management (BCM) bezeichnet die Disziplin und die Gesamtheit der Maßnahmen, mit denen Unternehmen die Fortführung kritischer Prozesse sicherstellen. Ein Business Continuity Management System (BCMS) ist die konkrete, dokumentierte Struktur, mit der ein Unternehmen BCM organisatorisch umsetzt, inklusive Richtlinien, Rollen und Prozessen nach dem PDCA-Zyklus.

Was ist der Unterschied zwischen Business Continuity Management und IT-Disaster-Recovery?

Business Continuity Management betrachtet das gesamte Unternehmen, einschließlich Personal, Gebäuden, Lieferketten und Geschäftsprozessen. IT-Disaster-Recovery ist ein Teilbereich davon und beschäftigt sich ausschließlich mit der Wiederherstellung von IT-Systemen und Daten nach einem Ausfall.

Wie lange dauert der Aufbau eines BCMS?

Der Aufbau eines schlanken BCM-Ansatzes lässt sich innerhalb weniger Monate umsetzen. Ein vollständig auditfähiges BCMS nach ISO 22301 benötigt je nach Unternehmensgröße und Prozesskomplexität zwischen sechs und 18 Monaten bis zur Zertifizierungsreife.

Welche Rollen brauche ich intern für ein BCMS?

Mindestens erforderlich sind eine BCM-Verantwortliche oder ein BCM-Verantwortlicher, Prozessverantwortliche für die kritischen Geschäftsbereiche und eine Schnittstelle zur IT. In größeren Organisationen kommt zusätzlich ein Krisenstab für die operative Entscheidungsfindung im Ernstfall hinzu.

Ist Business Continuity Management gesetzlich vorgeschrieben?

Für Betreiber kritischer Infrastrukturen und Unternehmen im Geltungsbereich der NIS2-Richtlinie ist Business Continuity Management verpflichtender Bestandteil des Risikomanagements. Für andere Unternehmen besteht keine direkte gesetzliche Pflicht, wohl aber häufig vertragliche Anforderungen von Kunden oder Versicherern.

Was tun, wenn ein Notfall eintritt und noch kein Krisenplan existiert?

Ohne dokumentierten Krisenplan zählt zunächst die schnelle Bildung eines Entscheidungsgremiums mit klaren Zuständigkeiten. Informationen zum strukturierten Vorgehen im akuten Krisenfall und zum Aufbau eines Krisenmanagements finden Sie auf unserer Seite Krisenmanagement.

Was ist Business Continuity Management?

Definition und Bedeutung: Business Continuity Management (BCM) sichert den Fortbestand kritischer Geschäftsprozesse bei Störungen, Ausfällen und Krisen. Die BCM-Bedeutung liegt im Kern eines jeden Ansatzes: Prozesse laufen weiter, auch wenn Systeme, Standorte oder Lieferanten ausfallen. Ein Unternehmen ohne BCM riskiert bei einem Vorfall Stillstand, Umsatzverlust und Vertrauensschaden. Genau hier setzt BCM an: Es identifiziert kritische Prozesse und legt fest, wie diese im Ernstfall weiterlaufen. 

Betriebsunterbrechungen zählten laut dem Allianz Risk Barometer 2023 zum zweitgrößten Geschäftsrisiko weltweit (mehr dazu im Abschnitt „Wirtschaftliche Folgen von Betriebsunterbrechungen"). Unternehmen jeder Größe stehen vor der Frage, wie sie auf IT-Ausfälle, Cyberangriffe oder Lieferkettenprobleme reagieren.

Jetzt Business Continuity Management mit Axians aufbauen

Vereinbaren Sie ein unverbindliches Gespräch mit unseren BCM-Fachleuten. Darin ordnen wir gemeinsam Ihren aktuellen BCM-Reifegrad ein und zeigen auf, welcher Umfang für Ihr Unternehmen sinnvoll ist, ob schlanker Ansatz oder zertifizierbares BCMS nach ISO 22301 oder BSI-Standard 200-4. 

Nutzen Sie das Kontaktformular auf dieser Seite. Wir melden uns zeitnah bei Ihnen zurück und klären im ersten Gespräch, welche nächsten Schritte für Ihr Unternehmen sinnvoll sind.

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